Hilfe in krisenhaften Situationen während der Pflegeausbildung

Viele junge Menschen brechen aufgrund ihrer persönlichen Situation – trotz guter Eignung – ihre Pflegeausbildung ab. Zur Unterstützung dieser Auszubildenden hat das EBZ Schulsozialarbeiterinnen etabliert.

Datum:

30.09.2025

Ort:

Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH (EBZ)

Interviewpartner:

Edith Scheffel, Patrizia Scheibel

Themenkategorie:

Konzertierte Aktion Pflege

Maßnahme:

Hilfe in krisenhaften Situationen während der Pflegeausbildung

Projektanlass

Die aktuelle Situation in der Pflegeausbildung ist von zunehmenden fachfremden Herausforderungen für die Lehrpersonen in der Begleitung der Auszubildenden geprägt. Diese kommen dabei als Pädagogen immer häufiger an ihre Grenzen. Hinzu kommt, dass die persönliche Situation der Auszubildenden mitunter sehr schwierig ist, sodass trotz guter Eignung die Ausbildung öfters abgebrochen wird. In der Folge steigt die Abbrecherquote.

Projektumsetzung

Zur Stabilisierung der Ausbildungszahlen und zur Senkung der Ausbildungsabbrüche hat das EBZ daher die Schulsozialarbeit eingeführt. Das speziell entwickelte Konzept besteht aus drei Säulen, von denen jede mit eigenem Schwerpunkt zur Zielerreichung beiträgt.

In fest im Curriculum eingeplanten sozialpädagogischen Lerneinheiten werden Themen „rund um das Leben“ wie beispielsweise Finanzplanung, Zeitmanagement oder Stressmanagement besprochen. Diese Lerneinheiten begleiten die Auszubildenden durch die gesamte Ausbildungszeit. Die Schulsozialarbeiterinnen des EBZ begleiten die Auszubildenden auch in wichtigen Momenten der Ausbildung. Sie sind bei Ausbildungsbeginn präsent, nehmen an Vorbesprechungen zur Probezeitkonferenz teil, begleiten Fördergespräche nach Zwischenprüfungen und sind während Examensvorbereitungen sowie während der Examenstage vor Ort anwesend. Des Weiteren werden die Lernenden bei persönlichen Herausforderungen, privat oder schulisch, von den Schulsozialarbeiterinnen unterstützt. In Einzelgesprächen und Einzelbegleitungen (auch zu Behörden) wird vorrangig Hilfe zur Selbsthilfe gegeben.

Da auch die Schulsozialarbeit an ihre Grenzen stößt, z.B., wenn Problemstellungen der Auszubildenden eine therapeutische Behandlung erfordern, wurde parallel ein Netzwerk von professionellen Unterstützern zur Weitervermittlung aufgebaut.

Projektbeurteilung

Es gibt bisher sehr positive Rückmeldungen durch die Auszubildenden selbst sowie aus der Praxis. Die Schulsozialarbeiterinnen verstehen sich als Teil des Teams und als Brücke zwischen Auszubildenden, Lehrern und der Schulleitung. Das Lehrerkollegium kann sich jetzt auf seine pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren. Die Lehrpersonen sind dadurch entlastet. Es zeigt sich für alle Beteiligten – das Arbeiten in einem interprofessionellen Team ist ein Gewinn.

Daten zum Modell

Datum:

30.09.2025

Ort:

Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH (EBZ)

Interviewpartner:

Edith Scheffel, Patrizia Scheibel

Themenkategorie:

Konzertierte Aktion Pflege

Maßnahme:

Hilfe in krisenhaften Situationen während der Pflegeausbildung

Name der Einrichtung

Anschrift

Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH

Haus der Diakonischen Bildung

Nordbahnhofstrasse 131

70191 Stuttgart

 

Hauptgeschäftsführende Schulleitung:  Carmen Happe

Website

https://www.ebz-pflege.de

Ansprechpartner der Maßnahme

Edith Scheffel, stellvertretende Schulleitung,
T.: 0711 997992-402,
E-Mail: scheffel@ebz-pflege.de

Patrizia Scheibel, Schulsozialarbeiterin,
T.: 0711 997992-416,
E-Mail: pscheibel@ebz-pflege.de

Struktur- und Leistungsdaten

Das Bildungszentrum verfügt über nahezu 300 Ausbildungsplätze, sowie Teilnehmende der Praxisanleiterweiterbildung und den Vorbereitungskursen für die Kenntnisprüfung.

Gesellschafterinnen des EBZ und vorrangige Einsatzbereiche für praktische Ausbildung:

Diakonie-Klinikum Stuttgart und Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart

Weitere Einrichtungen der praktischen Ausbildung:

RBK Standort City (Bethesda), Kliniken Schmieder Stuttgart / Gerlingen, Katholische Sozialstation Stuttgart, Seniorenstift Ludwigsburg, Else-Heydlauf-Stiftung, Stiftung Evangelische Altenheime Ludwigsburg

Projektmotivation / -vorbereitung

Ausgangslage

  • Heterogenität der Ausbildung hat zugenommen: Lehrpersonen müssen immer mehr fachfremde Aufgaben bei der Begleitung der Auszubildenden übernehmen, kommen als Pädagogen jedoch häufig an ihre Grenzen
  • Persönliche Situation der Auszubildenden mitunter sehr schwierig, sodass trotz guter Eignung die Ausbildung abgebrochen wird: die Abbrecherquote stieg (insbesondere in den Jahren 2021, 2022)
  • Schulsozialarbeit in Form einer Person, welche im sozialpädagogischen Bereich qualifiziert ist, sollte als Teil des Teams fest implementiert werden

Am Projekt beteiligte Berufsgruppen/Personen

  • Geschäftsführung, Schulleitung und Stellvertretung, Gesellschafter
Projektumsetzung

Ziele

  • Hauptziel der Schulsozialarbeit ist es,
    • die Ausbildungszahlen zu stabilisieren und damit Ausbildungsabbrüche zu verhindern,
    • Entlastung der Pädagog*innen,
    • den Auszubildenden in krisenhaften Situationen eine schnelle und niederschwellige Erreichbarkeit zu bieten,
    • Hilfe zur Selbsthilfe
    • den Auszubildenden nach dem Examen einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen

Eingeführte Maßnahmen

  • Konzeptentwicklung mit drei verschiedenen Säulen. Jede Säule trägt zur Zielerreichung bei, hat aber eigene Schwerpunkt:
    • Sozialpädagogische Einheiten
      • Fest in das Curriculum eingeplante Lerneinheiten mit Themen „rund um das Leben“
      • Lerneinheiten verteilen sich über die gesamte Ausbildung und finden im Kurssetting statt. So lernen sich Schulsozialarbeiterin und Auszubildende bereits am 1. Tag der Ausbildung kennen. Das ist immer dann von Vorteil, wenn sich Konflikte innerhalb eines Kurses entwickeln, die eine individuelle Begleitung erforderlich machen.
      • Schulsozialarbeiterinnen sind besonders am Beginn der Ausbildung präsent und bauen Vertrauen zu den Auszubildenden auf.
      • Eine Einheit umfasst 4 – 8 Unterrichtsstunden. Ausbildungsbeginn: „Kennenlernen“, 1. Halbjahr: „Lebensmanagement“ hier sind obligatorische Inhalte z.B. Finanzplanung, Zeitmanagement, Entscheidungsfindung, Beginn 2. Ausbildungsjahr: „Selbstbewusstsein“, Beginn 3. Ausbildungsjahr: „Stressmanagement“
        • Neben obligatorischen Inhalten besteht immer die Möglichkeit, aus der Situation heraus weitere Inhalte zu ergänzen (z.B. Bewerbungstraining)
      • Die Einheiten unterstützen das Kursklima positiv: durch das gruppendynamische Arbeiten an Lebensthemen wird der Austausch zwischen den Auszubildenden über die fachliche Ebene hinaus gefördert.
    • Begleitung der Lernenden und Kurse im Ausbildungsprozess
      • Begleitung der Lernenden in wichtigen Momenten der Ausbildung:
        • Schulsozialarbeiterin ist bei Ausbildungsbeginn präsent und nimmt an Vorbesprechungen zur Probezeitkonferenz teil,
        • begleitet Fördergespräche nach Zwischenprüfung,
        • anwesend während Examensvorbereitung sowie in der Begleitung während der Examenstage vor Ort
    • Begleitung der Lernenden bei persönlichen Herausforderungen
      • Haben Auszubildende selbst Probleme (schulisch oder privat) identifiziert, kommen sie mit Anliegen zur Schulsozialarbeiterin (Konzept der offenen Tür)
      • In Einzelgesprächen und Einzelbegleitungen wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben
      • Hier liegt ein großes Entlastungspotenzial für die Lehrkräfte
  • Aufbau eines Netzwerkes
    • Da auch die Schulsozialarbeit an ihre Grenzen stößt, z.B., wenn Problemstellungen der Auszubildenden eine therapeutische Behandlung erfordern, wurde ein Netzwerk zur Weitervermittlung aufgebaut
    • Auch die Unterstützung bei Behördengängen, z.B. bei der Beantragung von Aufenthaltstiteln, erfordert ein erweitertes Netzwerk.
  • Weitere essenzielle Gelingensfaktoren, die implementiert wurden, damit die Schulsozialarbeit erfolgreich arbeitet:
    • Implementierung der Schulsozialarbeiterin ins Team, Teilnahme an allen Lehrkonferenzen und regelmäßiger Austausch mit den Kursleitungen
    • Informationen von und über Auszubildende werden zwischen allen an

der Ausbildung beteiligten Personen ausgetauscht – in Ausnahmefällen bleiben Themen unter vier Augen!

    • Bewahrung der Allparteilichkeit, um als Brückenfunktion zwischen Auszubildenden und Lehrteam fungieren zu können. Hilfreich ist hier, dass die Schulsozialarbeit regelmäßig im Unterricht ist, jedoch niemals eine bewertende Rolle einnimmt.

Übernahme in die Regelversorgung

  • Seit Herbst 2022
  • Nach anfänglichen 0,8 VK mittlerweile Aufstockung auf 1,4 VK für ca. 300 Ausbildungsplätze (Pflegefachperson, GKPH) sowie Teilnehmende am Vorbereitungslehrgang zur Kenntnisprüfung für ausländische Pflegefachpersonen
Projektbeurteilung
  • Finanzierung bisher nicht ausdrücklich im Ausbildungsfonds berücksichtigt. Hier gilt es abzuwägen, was es wert ist, Ausbildungsabbrüche zu verhindern.
  • Bei zunehmenden Herausforderungen für die Auszubildenden wird eine Stabilisierung oder sogar rückläufige Tendenz der Ausbildungsabbrüche wahrgenommen (noch keine quantitativen Daten)
  • Sehr positive Rückmeldungen durch die Auszubildenden
  • Positive Rückmeldungen aus der Praxis

Rückblickend als besonders erfolgreich betrachtet

  • Schulsozialarbeiterinnen verstehen sich als Teil des Teams und Brücke zwischen Auszubildenden, Pädagog*innen und Schulleitung
  • Lehrerkollegium ist entlastet und dankbar. kann sich jetzt auf seine pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren.
  • Positiver Einfluss auf Schulatmosphäre
  • Stabilität und mehr Handlungsmöglichkeiten im Ausbildungsverlauf